Freitag, 1. Juli 2016

Beziehungen sind doch wie Lieblingsschuhe: 
Wir können nie genug haben. Aber manchmal kneift es. 

Im Schuhladen für protzige bis zarte Beziehungen ist so ziemlich alles vertreten. Im wahrsten Sinne des Wortes. Viele machen sich nichts mehr daraus, dort täglich ein und aus zu gehen und nach neuen Prachtexemplaren zu suchen, die aber doch nur burchteilhaft die Aufmerksamkeitsspanne des Käufers erregt. Eben so lange, bis sie im Schaufenster etwas anderes Glitzerndes, vermeintlich Goldenes entdecken. Aber es gibt auch die anderen. Die, die genügsam sind und glücklich mit dem, was sie haben. Sie lieben ihr Paar, verzeihen geduldig das bisschen Kneifen am Anfang, als sie noch niegelnagelneu waren und nicht so ganz eingelaufen waren. Denn der Schmerz zahlt sich aus, hat auch eine Verkäuferin geraten. Und so freuen wir uns trotz ein paar Wehwehchen, lächeln das bisschen Qual und ein paar Blasen weg, bis sie endlich wie maßgeschneidert passen. Sie liegen anschmiegsam an, wärmen unsere Füße und unser Herz. Unsere Liebingsschuhbeziehung. 
Doch nicht immer bleibt alles so rosarot. Manchmal hält die erhoffte bis versicherte Qualität eben doch nicht ein Leben lang. Meist kündigt sich das schon früh an: Etwa sind die Schuhe nicht wasserdicht, tausend Tränen durchnässen und durchdrängen den Stoff, aus dem unsere Liebe gemacht ist. Oder aber Fäden reißen, Vertrauen schwankt, bis plötzlich die Sohle reißt. Und einem der Boden unter den Füßen weggezogen wird. Natürlich kann man dann ganz verbissen bleiben, mit Sekundensuperkleber anrücken, alles zusammenflicken und mit Nadel und Faden zusammennähen, was geht. Trotzig für das Paar kämpfen, dass wir so geliebt haben und das so unendlich bequem war, egal wie oft es gedrückt hat. Aber irgendwann ist es vorbei. Und das was man einst so liebte, ist so kaputt, dass kein Schuhmeister es wieder herrichten könnten. 
Meistens ist man dann für einen kleinen bis großen Moment traurig, hängt noch eine Weile an dem, was einem so weit getragen hat. Man vergisst eben nicht, wofür man mal so viel investierte, um glücklich zu sein. Und so trauert man, drückt sich vor einem neuen Schuhkauf, probiert das Laufen lieber barfuß. Denn stur und anhänglich sind wir ja alle ein bisschen. 
Doch irgendwann kommt der Augenblick, wo die Scherben der Lebensstraße zu tief in den Fuß schneiden, es zu unbequem wird. Und wir wissen, wir hätten gerne wieder ein neues Lieblingspaar Schuhe. 

Aber wenn man dann auch eines findet, das im Schauladen so schön strahlt und beim Anprobieren so gut sitzt, darf man nicht denselben Fehler wie ich machen: Man darf nicht mehr an die alten Lieblingsschuhe denken. Man sollte sie vorher entsorgt und vergessen haben. Sonst kneift das Neue solange, bis wir darin nicht mehr laufen können, weil unsere Füße das alte Fußbett zu sehr vermissen.

Kommentare:

  1. Krass. Das ist eine mega gute Verbildlichung. Danke, dass du das mit uns geteilt hast.

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  2. Hallo :)
    Ich hab dich getaggt. Wenn du meine Fragen beantworten würdest, würde ich mich wirklich riesig freuen :)

    http://people-will-always-change.blogspot.de/2016/07/jan-mich-gleich-wieder-zuruck-getaggt.html#more

    Hab einen schönen Tag :)

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