Samstag, 4. November 2017

" Was soll ich von einer Frau denken, die mir bei jedem Streit die Schlüssel wegnimmt? Was soll ich von dir denken?" Ich zucke die Schultern, ich weiß es einfach nicht. "Ich habe mich mit einem Freund unterhalten, ich habe ihn gefragt, was er davon hält. Und ob er so einer Frau vertrauen könnte.  Ob er sich verlassen würde." Mutlos und gefrustet schlürfe ich an meinem Mojito. Dass dieses Treffen kein Versöhnungsangebot war, war mir spätestens klar, als er sagte, er könne mir nichts zu der Dringlichkeit des Termins sagen. Nur, dass ich da sein müsse.
Nun sitze ich neben ihm in einer schummrigen Cocktailbar und wünsche mir, dass der Rum in meinem Getränk stärker gewesen wäre. Mich nur seinen Konfrontationen ausgesetzt zu sehen, während die Inhalte eines jeden Streites komplett ausgeklammert werden, finde ich weder richtig noch fair. Wie oft hat er gemeine Dinge in Rage gesagt, wie oft die Geduld verloren?
"Ich frage mich noch einmal, was habe ich von dir zu erwarten? Kann ich dir überhaupt vertrauen?" Ich schaue ihm in sein ernstes, kühles Gesicht. Ich sollte an seiner Stelle sitzen und ihm dieselben Fragen stellen. Ich versetze ihn nicht andauernd, ich priorisiere nicht immer wieder meine eigenen Interessen gegenüber meinem Partner. "Ich weiß, dass ich oft überreagiere. Und ich versuche mich zusammenzureißen. Aber ich bin temperamentvoll", setze ich zu einer Antwort an, "und außerdem treibst du mich nun mal manchmal zur Weißglut. Du hast mich wiederholt sitzengelassen, das regt mich auf. Jedes Mal brauchst du eine extra Einladung, am besten schriftlich und mit ausdrücklicher Bitte, dabei hast du mir doch erst kürzlich einen Vortrag über die Selbstverständlichkeiten in einer Beziehung gehalten. Ich sehe es ein Stück weit selbstverständlich, dass du mir bei dem Umzug zur Hand gehst." - " Das haben wir schon besprochen, ich werde dir demnächst nicht mehr verbindlich zusagen, um dich nicht mehr zu enttäuschen", antwortet er etwas gereizt, "aber das ist immer noch keine Antwort auf meine Frage. Soll es immer so weiter gehen? Jedes Mal eskalieren?" Ich zucke wieder mit den Schultern. Egal was ich ihm darauf antworten würde, die einzig zufriedenstellende Antwort wäre doch die, die ich nicht geben kann und werden. Ich bin wie ich bin und habe meine Gründe, so zu sein. Daran wird auch er nichts rütteln.

Samstag, 21. Oktober 2017

Ich sitze alleine im Wohnzimmer, mein Glück liegt träumend im Bett und denkt vielleicht an mich. Mir ist etwas langweilig und so scrolle ich mich durch das Internet, bis mich die langsame Verbindung zu sehr stört. Genervt lasse ich mich meine Augen durch den Raum schweifen, ungewiss, was ich an einem Samstagabend mit mir selbst anfangen soll. Meine Augen bleiben an seinem Telefon hängen, das genauer genommen meins ist, und ganz offen und still auf dem Tisch liegt. Und so wie Gelegenheit Diebe macht, verfalle ich meinem altem Muster. Mit pochendem Herzen und lauschenden Ohren tippe ich den Sperrcode ein und klicke zielstrebig auf seine Chatverläufe. Ich weiß, dass ich nicht das Richtige tue und ich weiß, dass ich ein immenses Vertrauensproblem habe. Aber bis jetzt habe ich immer etwas gefunden. Einen kleinen Satz, ein Wort, ein Zeichen des Verrats. Eine Lüge. Nie konnte ich mit dem Gefundenen ruhig weiterleben und meine Eifersucht oder mein Misstrauen beiseite legen. Wenn immer ich suchte, fand ich. Und begründete so, was man sonst nicht darf. 
Auch dieses Mal bin ich mir gewiss, es wird etwas geben, das mir aufstoßen wird. Sicher hat er wieder etwas zu seinem besten Freund gesagt, diesem Kleinstadtnazi der vor kurzem noch halb Thailand durchgevögelt hat, während er dort hart für seinen Sport trainierte. Ich kenne ihn nicht, aber ich weiß genug, dass ich das auch gar nicht ändern will. 
Während ich immer weiter zurückgehe, mich durch Nachrichten lese, stolpere ich plötzlich darüber. 

"Ich glaube nicht, dass das mit ihr hält..."

Kurz sticht es, meine Hände zittern etwas. Mein Herz rast, mein Atem verschnellert sich. Sowas hätte ich nicht erwartet, rede ich mir unehrlich ein und versuche, darüber verärgert oder gar traurig zu sein. Ich würde ihn gerne damit konfrontieren, wie er so etwas nur denken kann. Wir streiten uns natürlich immer mal wieder, niemand von uns ist ganz einfach. Aber muss so ein Verrat sein? Trotz dessen, dass ich versuche mich in Rage zu bringen, klappt es nicht ganz. Denn wenn ich ehrlich zu mir wäre, wenn ich mir aufrichtig in den Spiegel entgegen blicken würde, würde ich denken "Uh, das tut weh. Aber das habe ich auch schon mal gedacht. Gesagt. Und zurückgenommen". Dementsprechend schlürfe ich einfach nur an meinem Bier und klicke mich weiter durch Chats. Vielleicht finde ich noch etwas, vielleicht auch nicht.